Health.


The Passion to Change Directions.

Interview mit Talinda Bennington.

Talinda Bennington ist die Witwe von Linkin-Park-Sänger Chester Bennington, der 2017 durch Suizid starb. Sie hat nach dem Tod ihres Mannes die Kampagne "320 Changes Direction" ins Leben gerufen.

Talinda, wie geht es den Kindern und dir heute, eineinhalb Jahre nach Chesters Tod?

TB: Danke, es geht uns gut. Wir stützen uns gegenseitig. Wir versuchen, Freude an alltäglichen Dingen zu finden.

Wie ist es dir gelungen, die Situation nach dem Tod deines Mannes zu bewältigen?

TBIch habe immer einen Schritt nach dem anderen gemacht. In den ersten Tagen antwortete ich den Leuten auf Twitter, die mir schrieben, wie hilflos sie sich fühlten. Ich wusste sofort, dass ich nicht jedem helfen konnte. Also fing ich an, über Twitter andere zu bitten, sich gegenseitig aufzubauen. Das hat sich zu etwas wirklich Schönem entwickelt. So begann ich, nach vorne zu schauen. Daraus entstanden 320 und meine Partnerschaft mit Change Direction*.

Und das hat dich dann dazu gebracht, über seelische Gesundheit zu sprechen?

TBJa, genau. In unserem Haushalt gab es viel Scham und Verlegenheit wegen Chesters mentalen Problemen. Er betrachtete den Besuch bei einem Therapeuten als beschämend. Und er hatte das Gefühl, dass etwas mit ihm nicht stimmte, wenn er Medikamente nehmen musste. Alles wäre vielleicht anders verlaufen, wenn er in einer Gesellschaft gelebt hätte, die offener darüber spricht, und wenn es in der Allgemeinheit mehr Wissen darüber gegeben hätte.

Was machst du, wenn du etwas für dich selbst tun willst?

TBIch reite viel und verbringe gerne Zeit mit meinen Freunden. Ich habe die besten Freunde, die man sich nur wünschen kann! Ich treibe viel Sport und genieße es total, für 320 zu arbeiten und die Fortschritte zu erleben.

Wie haben die Fans von Linkin Park dein Leben seit Chesters Tod beeinflusst?

TBDie Fans von Linkin Park waren wunderbar. Es war, als hätte ich eine Großfamilie auf der ganzen Welt. Sie verhalten sich wirklich unglaublich gegenüber der Band und ihren Mitgliedern, einschließlich meiner Familie und mir. Sie sind auch ein großer Teil des Erfolgs von 320.

Was war dein Ziel, als du 320 Changes Direction gegründet hast?

TB: Da gab es mehrere. Einer meiner ersten Gedanken war:
Ich muss versuchen, dem Tod meines Mannes einen Sinn zu geben. Er wäre umsonst gestorben, wenn sich durch seinen Tod nichts geändert hätte. Er hat sehr viele Menschen durch seine Musik gerettet, als er noch am Leben war. Das war wahrscheinlich die größte Motivation. Die zweite waren meine Kinder. Für sie muss das alles einen Sinn ergeben. Sie müssen das Thema seelische Gesundheit verstehen. Sie müssen die Kämpfe ihres Vaters begreifen, auch ihre eigenen Konflikte. Sie müssen verstehen, dass ihr Dad krank war und dass er das nicht wegen ihnen getan hat, dass es nicht ihre Schuld ist.

Worin liegt der Schwerpunkt der Kampagne?

TB: Der Schwerpunkt von 320 Changes Direction liegt darin, über seelische Erkrankungen zu sprechen und technologiebasierte Lösungen zu entwickeln, welche die psychische Gesundheitsfürsorge für Familie, Freunde und Leidende modernisieren. Wir wollen auch eine andere Begrifflichkeit etablieren. Zum Beispiel sollte man nicht sagen: „Er hat sich umgebracht“, sondern: „Er ist durch Suizid gestorben“. Und wir wollen durchsetzen, dass jeder die fünf Anzeichen für emotionales Leid kennt. All dies wird viel verändern.

Kannst du uns diese fünf Zeichen bitte erklären?

TB: Es gibt fünf Anzeichen, dass jemand emotional leidet: wenn sich seine Persönlichkeit verändert, wenn er unruhig ist, wenn er sich zurückzieht, wenn er verwahrlost oder wenn er hilflos wirkt. Wenn man erkennt, dass jemand in seinem Leben leidet, kann man ihn darauf ansprechen und seine Hilfe anbieten.

Wie kann man die Leute dazu bringen, über Depressionen zu sprechen?

TB: Wir können eine Plattform kreieren, die ihnen Handlungsmöglichkeiten verschafft. Wir können sie motivieren, wir können die Leidenschaft erwecken, zu helfen. Wir können anregen, über seelische Gesundheit zu sprechen. 320 macht genau das. Wir wollen auch das Bewusstsein dafür stärken, dass Gefühle und das Sprechen über psychische Gesundheit nichts Schlechtes sind. Wir wollen Menschen weltweit verbinden. Je bekannter das alles ist, desto mehr Menschen sind bereit, darüber zu sprechen. Dann wird es einfacher, Leidende wirklich zu erreichen und ihnen zu helfen.

Hilft dir die Arbeit für 320, deinen inneren Frieden zu finden?

TB: Sie ist für mein Wohlergehen sogar fundamental. Das ist jetzt meine Berufung. Emotional ist es für mich extrem schwierig. Es ist auch sehr zeitaufwendig. Aber ich werde nie aufhören. Dieses wunderbare Projekt ist definitiv ein Teil von mir geworden.

*Talinda Benningtons Kampagne „320 Changes Direction“ richtet sich an alle, die unter seelischen Problemen und Sucht leiden. Die Kampagne unterstützt Freunde und Familienmitglieder, die Antworten auf Fragen zu psychischer Gesundheit und Sucht suchen, um den Menschen in ihrem Leben helfen zu können, die emotional leiden.

 

Mehr Informationen unter: changedirection.org

Art Direction | Claudia Schwarz
Film | Michael Parenteau

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