Psychologie


Crazy about cars

Cars, Cars, Cars. Is it always a boys thing? 

Hartnäckig hält sich das überkommene Vorurteil, Autofahren sei Männersache. Woher rühren solche Klischees? Und welche Unterschiede in der Beziehung zum Auto gibt es zwischen den Geschlechtern vielleicht tatsächlich? Wir haben mit Prof. Dr. Joachim Scheiner von der TU Dortmund gesprochen.

Trotz vieler Fortschritte werden Geschlechterrollen und Gleichberechtigung auch heute noch kontrovers diskutiert. Selbst die Experten, die sich mit diesen Forschungsgebieten auseinandersetzen, sind sich bei dem Thema nicht immer einig. Allerdings lassen sich tatsächlich einige Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Verhältnis zu ihren Fahrzeugen erkennen. Diese sind jedoch u. a. in den verschiedenen Lebenssituationen begründet, wie der leider weiterhin bestehenden Gehaltslücke zwischen Mann und Frau oder anderen Umständen, welche die noch nicht gänzlich verwirklichte Gleichberechtigung widerspiegeln. Was in dieser Diskussion nicht weiterhilft, sind Pauschalurteile – und gerade die Verbindung von Menschen zu ihren Autos ist stets sehr individuell geprägt. Im Folgenden gehen wir daher der Frage „Cars, Cars, Cars – is it only a boys thing?”, anhand ausgewählter Aussagen von Experten und unabhängiger Studien, auf den Grund.

Mensch und Auto – das ist offenbar eine besondere Beziehung. Viel mehr als bei anderen Gegenständen spielen hierbei Emotionen eine Rolle. „Das Auto vermittelt Sicherheit und Geborgenheit vor den Zumutungen der Außenwelt“, erklärt Prof. Dr. Scheiner, Leiter des Forschungsfelds Verkehrsverhalten und Mobilität an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund, im Interview mit dem 63Magazine. „Zweitens steht es für Autonomie und Selbstbestimmtheit, was in einer individualisierten Gesellschaft für viele Menschen von großer Bedeutung ist.“ Drittens vermittele es sozialen Status, die „feinen Unterschiede“ nach außen. Und schließlich empfänden manche es als ein berauschendes Erlebnis, Macht und Kontrolle über ein schnelles, motorstarkes Fahrzeug ausüben zu können. „Mit Mobilität im engeren Sinne, also zu einem Zielort zu gelangen, hat das alles natürlich wenig zu tun“, so Prof. Dr. Scheiner.

"Für Frauen sind weniger Motorstärke und Geschwindigkeitsrausch von Bedeutung als die Schutzhautfunktion des Autos und die selbstbestimmte Mobilität." 

In dieser emotionalen Beziehung zwischen Mensch und Auto kann er durchaus Geschlechterunterschiede erkennen: „Für Frauen sind weniger Motorstärke und Geschwindigkeitsrausch von Bedeutung als die Schutzhautfunktion des Autos und die selbstbestimmte Mobilität.“ Letzteres bestätigt die Soziologin Christa Bös von der Freien Universität Berlin in der Zeitung Welt: „Die Beziehung zum Auto ist bei Frauen stärker als bei Männern mit Gefühlen der individuellen Autonomie verbunden.“ Viele Frauen berichteten Bös, wie sie sich freuten, endlich ein eigenes Auto zu bekommen, nachdem sie vorher nur „geduldete Mitbenutzerinnen“ des Familienautos gewesen waren. Das eigene Auto stehe für Frauen daher als ein Schritt zur Gleichberechtigung. Für Männer sei es hingegen vor allem ein Instrument, um den sozialen Status zu dokumentieren.

Weitere Unterschiede sieht Prof. Dr. Scheiner in den Fahrweisen: „Autofahren kann besonders bei Männern – vor allem bei jungen Männern – einen Rausch von Macht und Kontrolle über die Maschine auslösen. Sie fahren schneller und weniger regelkonform, überschätzen ihre Fähigkeiten stärker und halten sich im Extremfall für Gott.“ Frauen können laut dem Dortmunder Experten einen solchen Rausch ebenfalls empfinden. „Aber sie scheinen ihm lange nicht so stark nachzugeben. Bei ihnen fährt die Ratio mit, vielleicht auch das Verantwortungsgefühl. Denn wir wissen, dass sie in weit überdurchschnittlichem Maß für zwischenmenschliche Belange Verantwortung übernehmen – Erziehung, Familie, Pflege, private Kontakte.“

Prof. Dr. Joachim Scheiner

Prof. Dr. Joachim Scheiner forscht u. a. zu den Gebieten „Verkehrsverhalten, Alltagsmobilität, Aktionsräume“ sowie „sozialer Wandel und Verkehr“. Im Forschungsprojekt „Gender und Mobilität“ hat er den „Alltag im Wandel des Geschlechterverhältnisses“ im Hinblick auf „Aktivitäten, Wege, Verkehrsmittel und Zeitverwendung“ untersucht.

 

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Geschlechterunterschiede sind überdies beim Autokauf zu beobachten. Diese lassen sich aber nicht mit pauschalen Urteilen erklären. So stellte der TÜV Nord bei einer Studie fest: „Mann fährt Oberklasse, Frau einen Kleinwagen“, wie die Diplom-Psychologin Cornelia Nagel die Ergebnisse knapp zusammenfasst. Sie fügt hinzu: „Das ist aber nicht unbedingt aus freien Stücken so. Der Trend zum kleineren (Zweit-)Wagen für die Frau kann nämlich der Rollenverteilung in Partnerschaften geschuldet sein – oder schlicht an unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten liegen.“

Im gegenseitigen Urteil von Männern und Frauen über das Fahrkönnen des jeweils anderen Geschlechts halten sich sogar in heutigen Zeiten noch Vorurteile. Prof. Dr. Scheiner erklärt, wie es dazu kommt: „Man muss sehen, wie diese entstehen. Das Klischee, dass Frauen nicht einparken können, stammt aus einer Zeit, als Frauen mit Führerschein kaum die Möglichkeit hatten, Fahrpraxis zu erwerben. Es handelte sich also um eine Art selbsterfüllende Prophezeiung.“ Wie wenig dieses Stereotyp heute zutrifft, ergaben gleich zwei Studien: So stellten britische Forscher fest, dass das Auto am Ende genauer in der Parkplatzmitte steht, wenn Frauen einparken – sie parken also präziser ein als Männer. Und Studenten der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim konstatierten nach einer Studie, die sie für einen Parkhausbetreiber durchführten: Frauen parken schneller ein als Männer. Sie benötigen im Schnitt 17 Sekunden für ein Parkmanöver - Männer brauchen drei Sekunden länger.

So viel lässt sich also festhalten: Frauen lieben Autos genauso wie Männer – aufgrund unterschiedlicher Lebensumstände allerdings auf andere Weise. Und welches Geschlecht besser Auto fährt – die Antwort auf diese Frage entzieht sich jedem Klischee. Aber eines ist klar: „Cars are not only a boys thing.“ Autos sind genauso „a girls thing“!

Fotografie | Anatol Kotte

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