Personality.


Gorden Wagener: Der puristische Utopist.

Über die Philosophie der „Sinnlichen Klarheit“.

Selbstbewusst, zielstrebig, talentiert: Der Mercedes-Benz Chief Design Officer hat mit seiner Philosophie der „Sinnlichen Klarheit“ den Look und Feel der Luxusautomobilmarke Mercedes-Benz modernisiert und verjüngt – am Ziel ist er noch lange nicht.

Wie schafft es ein Graffiti-Künstler und passionierter Surfer zum Designprofessor? 

Das Schlüsselwort ist Leidenschaft. Leidenschaft – und der unbedingte Wille zur Selbstverwirklichung. Wenn dann noch visionäre Power und das spielerische Element hinzukommen, wird man schnell zur Koryphäe. Gorden Wagener ist so eine Ausnahmeerscheinung. Kein Wunder also, dass er die gesamte Modellpalette von Mercedes-Benz komplett revolutionierte und so eine Sportwagen-Ikone wie den Mercedes-AMG GT designt hat – oder das legendäre Mercedes-AMG Project ONE Showcar. 

Wir trafen Gorden Wagener in seinem Getaway-Studio in Carlsbad, Kalifornien, zu einem persönlichen und inspirierenden Gespräch.

Entstehen hier – weit weg vom Mercedes-Benz-Headquarter – deine Ideen?

Kalifornien ist wunderschön. Deshalb finde ich es schon toll, hier ein Studio zu haben. Es ist wirklich ein sehr inspirierender Ort. Aber Inspiration allein genügt nicht: Man muss seine Inspirationen auch umsetzen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Das Wichtigste beim Designen ist, dass man ständig in Bewegung bleibt. Und seinen Standpunkt ändert. Das Schlimmste ist, wenn man die kritische Distanz verliert und sich das Objekt schön sieht. Das heißt, würde ich in Sindelfingen im Hauptquartier immer nur die üblichen Sachen sehen, würde ich schnell meinen neutralen Standpunkt verlieren. Hier in Kalifornien habe ich eine andere Flughöhe. Hierher zu kommen, etwas Neues zu (er)finden, das dann nach Deutschland zu bringen und die Leute dort wieder zu inspirieren – das ist das perfekte Global-Designer-Network. Der konstante Wasseraustausch im Fish Tank.

Was war denn dein erster Gedanke, als du 2008 – mit gerade einmal 39 Jahren – zum Leiter des Designbereichs der Daimler AG in Stuttgart ernannt wurdest?

Damals leitete ich ja das Mercedes-Benz Kreativ-Center hier in Kalifornien. Daher dachte ich: „Schrecklich! Ich muss wieder nach Deutschland!“ (lacht). Der zweite Gedanke war natürlich: „Geil – du bist der jüngste Chefdesigner aller Zeiten!“ Das habe ich übrigens Dieter Zetsche zu verdanken. Es war visionär und auch ein ziemliches unternehmerisches Risiko, dass er damals einen 39-jährigen Nobody wie mich zum Designchef gemacht hat.

Und wie hast du deine Designphilosophie „Sinnliche Klarheit“ auf die Performance-Marke AMG übersetzt?

In diesem Segment ist ja zum Glück sehr viel Sinnlichkeit vorhanden. Sinnlichkeit und Power. Ich bin ein großer AMG-Fan und liebe die Marke – der Mercedes-AMG GT ist sicher das schönste Auto, das ich je designen durfte. Und sicher auch eines der Schönsten der Unternehmensgeschichte. Der GT ist ein klassischer Sportwagen, der das Maximum an Sex-Appeal hat. Ich habe versucht, dem Ideal der sinnlichen Schönheit – die wir Menschen per se attraktiv und sexy finden – so nahe wie möglich zu kommen.

"Ich bin ein großer AMG-Fan und liebe die Marke."

Diese „Sinnliche Klarheit“ definiert zudem einen modernen Luxus. Der Zauberspruch dazu heißt: Bipolarität aus Emotion und Intelligenz. Sinnlichkeit und Power - diese Kombination ist für AMG ein Muss! Das ist ganz sicher unsere emotionalste, sinnlichste, schönste und kraftvollste Marke. Nehmen wir nur mal den Mercedes-AMG GT3: Er hat durch den AMG-spezifischen Kühlergrill sein charakteristisches Gesicht. Sein Design wurde von den legendären Silberpfeilen inspiriert und auch vom 1952er SL. Der AMG-Grill hat jede Menge Power. Er frisst die Straße. Und gibt dem AMG GT3 das einzigartige Profil.

Apropos außergewöhnliches Profil: Du hast auch das legendäre Mercedes-AMG Project ONE Showcar designt. Wie ist dieses Design entstanden? Was waren die Inspirationsquellen?

Es ist ein großes Glück und eine sehr große Ehre, solch ein Performance-Fahrzeug zu designen. Das gibt es vielleicht alle fünfzig Jahre einmal. Mercedes-AMG hatte die verrückte Idee: Wir nehmen einen Formel-1-Antriebsstrang und machen daraus einen Boliden für die Straße. Also keinen klassischen Mercedes-Sportwagen mit der langen Haube, den beiden Sitzen auf der Hinterachse und den Proportionen des 300 SL. Sondern wir kreieren ein Cab-Forward-Racecar! Die Mercedes-Benz-Quintessenz! Das Mercedes-AMG Project ONE Showcar ist auch dank der Arbeit von Tobias Moers und seinen Entwicklern schon jetzt eine Ikone der Automobilgeschichte.

Du warst auch beim SLS beteiligt. Welche Bedeutung hat dieses außergewöhnliche Fahrzeug im Hinblick auf die Weiterentwicklung der AMG-Formsprache?

Das war die Wiedergeburt einer Legende: des Mercedes-Benz-Flügeltürers. Ich fahre ihn selbst sehr gern. Wenn ich damit durch die Emilia Romagna fahre, in den italienischen Dörfern anhalte und  die Flügeltüren aufmache – dann ist das wirklich fast so, als wäre ein Engel gelandet. Der SLS ist ein weiterer absoluter Meilenstein. Das ist dann auch, was letztlich bleibt. Deshalb sind diese Halo-Cars so wichtig. Sie definieren die Marke wie kein anderes Fahrzeug. Diesbezüglich ist das Automobildesign eine der komplexesten Herausforderungen. Ein ganz besonderer Reiz ist natürlich, dass man dabei die Zeichnung ins Dreidimensionale umsetzen kann. Es kommen dann selbstverständlich noch die technischen Herausforderungen dazu. Automobildesign ist das Symphonieorchester der kreativen Künste.

Im Design überträgt man sein Schönheitsideal auf die Arbeit. So fließt auch immer sehr viel von der Persönlichkeit des Designers in sein Objekt ein, oder?

Vor allem darf man die Sache nicht zu ernst nehmen (lacht). Und muss auf jeden Fall eine gewisse Unbeschwertheit behalten. Als Ausgleich mache ich Sport. Ich fahre Mountainbike und Wakeboard. Für mich ist nicht nur der Job wichtig – sondern auch ein Connaisseur der schönen Künste und des schönen Lebens zu sein. Nur wenn man eine positive Einstellung hat und diese auch einbringt, wird alles gut. Wenn man sich verkrampft und etwas forcieren will, dann wird das meistens nichts.

Was magst du denn am liebsten an dir, was am wenigsten?

(Lacht) Dazu fehlt mir wohl jede Art der Selbstreflexion. Vielleicht ist das ja ein großer Vorteil.

Was ist der nächste Meilenstein deiner Karriere?

Dass wir die Marke Mercedes-Benz zu der meist geliebten der Welt machen. Dass wir nicht nur Kunden, sondern Fans haben, die unsere Marken lieben.

Interview | Claudia Schwarz   
Fotografie | Benjamin Pichelmann

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