Coverstory.


Roger Federer.

Gentleman auf dem Court und im Leben.

57 Gramm. So viel wiegt ein Tennisball. 626 Quadratzentimeter beträgt die Kopfgröße eines Tennisschlägers. Ist das alles, was Roger Federer zur Selbstverwirklichung braucht?

Achtmal Wimbledon gewonnen. Sechsmal die Australian Open, fünfmal die US Open, einmal die French Open. 20 Grand-Slam-Titel. Über 300 Wochen an der Spitze der Weltrangliste. Der Schweizer Roger Federer ist der beste Tennisspieler aller Zeiten. Wie wird man Champion der Champions?

Nein, Roger Federer wurde nicht schon als kleiner Junge von erfolgssüchtigen Eltern auf Tennis-Wunderkind gedrillt. Er hat sich das Tennisspielen selbst ausgesucht. Weil es ihm Freude machte. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Spaß an der Freude. Wie er selbst sagt, ein elementarer Baustein seines Erfolgs. Und er legt viel Wert darauf, dass er aus einem sehr bodenständigen Elternhaus kommt und eine ganz normale Kindheit hatte. Natürlich haben ihn seine Eltern und Großeltern in seiner Liebe für das Tennisspielen unterstützt – und auch schon mal beide Augen zugedrückt, wenn er beim Üben wieder mal die Tennisbälle an die Garagentür donnerte oder sie im Apartment gegen Türen und Schränke knallte. Und natürlich hat er schon als Teenager davon geträumt, als Tennisprofi vielleicht einmal Wimbledon zu gewinnen. Große Träume haben die meisten von uns. Aber nur die wenigsten haben die Kraft und den Willen, sie auch zu verwirklichen.

„Ich befinde mich in einem ständigen Lernprozess - als Tennisspieler, als Ehemann, als Vater, als Mensch!"

Roger Federer lernte das Tennisspielen von der Pike auf, nutzte sein Talent immer besser, wurde gefördert und gewann mehr Matches, als er verlor. Machte erste internationale Erfahrungen und ging mit 21 Jahren zum ersten Mal beim prestigeträchtigen Wimbledon-Turnier als Sieger hervor. Danach führte er die Weltrangliste an. Das Besondere und Außergewöhnliche an dieser Erfolgsstory ist nicht nur Federers innovatives Spiel, seine überragende Physis und Präzision auf dem Platz, sondern seine Intuition, Spiele und Spieler lesen zu können. Kurz: seine emotionale Intelligenz. Die eigenen und fremden Gefühle korrekt wahrzunehmen, sie zu verstehen und zu beeinflussen.

Dahin zu kommen war gar nicht so einfach, wenn man – wie Federer in seiner Sturm-und-Drang-Zeit – eher der rebellische und aufbrausende Typ ist. Nicht selten ließ er sich damals zu Wutausbrüchen hinreißen, zertrümmerte nach einem misslungenen Return den Schläger oder fluchte lautstark nach einem verschossenen Matchball. „Ich war wütend, weil ich damals noch dachte, dass man Perfektion tatsächlich erreichen kann. Und ich wollte unbedingt perfekt sein. Wenn es nicht klappte, war ich schnell frustriert. Dadurch geriet ich in einen negativen Sog. Irgendwann wurde mir klar, dass ich meine Einstellung ändern musste. Sonst würde das nie etwas werden. Ich schwor, mich zu ändern. Aber schon ein paar Tage später stand ich wieder fluchend auf dem Court. Damals war ich 22 Jahre alt, und ich habe tatsächlich zwei Jahre gebraucht, um an meiner Einstellung etwas zu ändern.“ Seitdem versucht Federer dem perfekten Spiel eben so nahe wie möglich zu kommen. Denn Perfektion ist wie Glück: Das gibt es nur sehr kurz und sehr selten. Aber das Streben danach ist es, was ihn immer wieder zu Höchstleistungen anspornt.

Roger Federer erinnert sich: „Als ich Vater wurde, musste ich mich noch mehr zügeln und durfte mich von einer Niederlage nicht lange aus der Fassung bringen lassen. Ich möchte schließlich nicht, dass mein Kinder denken: Jetzt ist Papa schlecht drauf, weil er das Halbfinale verloren hat.“ Und lächelnd meint er noch: „Ich befinde mich in einem ständigen Lernprozess – als Tennisspieler, als Ehemann, als Vater, als Mensch.“

Die Familie steht für den sympathischen Ausnahmesportler ganz klar an erster Stelle. Im Jahr 2000 hat er die ehemalige Schweizer Tennisspielerin Mirka Varinec, die Liebe seines Lebens, getroffen und seither nicht mehr losgelassen. 2009 hat das Paar im kleinen Kreis geheiratet. Im selben Jahr bekamen sie Zwillingstöchter und 2014 Zwillingssöhne. Freunde der beiden meinen, dass Mirka sehr für Rogers mentale Stärke und Ausgeglichenheit verantwortlich ist. Und der 37-Jährige bestätigt gerne, wie wichtig ihm ein vitaler Background ist: „Manchmal, wenn ich an mir zweifle, gibt er mir diesen Schuss mehr Selbstvertrauen, den ich brauche, um zu gewinnen.“


Mehr anzeigen

Selbstvertrauen brauchte er vor drei Jahren mehr denn je. Denn nach längerer Verletzungspause und einer Rückenoperation gelang ihm – auch zu seiner eigenen Überraschung – ein glänzendes Comeback. Trotz mangelnder Spielpraxis gewann er 2017 die Australian Open und Wimbledon. Mittlerweile führt er wieder die Weltrangliste an. Mit 35. Wie er das geschafft hat? „Es hängt sicher auch damit zusammen, dass ich mich all die Jahre auch immer an die neue Welle guter Tennisspieler angepasst habe, extrem flexibel war und meine Spielweise immer wieder modifizierte.“

Auf die wichtigsten Erkenntnisse seiner langen Karriere angesprochen, nennt er zwei. „Erstens: Du kannst es nicht jedem recht machen. Und zweitens: Du musst deinen eigenen Weg gehen.“ Und mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen fügt er hinzu: „Ich bin froh, dass ich mich durchgekämpft habe und heute auf diese Karriere zurückschauen kann.“ So spricht nur jemand, der längst bei sich angekommen ist und aus seiner Mitte heraus agiert. Roger Federer muss niemandem mehr seine Einmaligkeit beweisen. Und fällt dieser Erfolgsdruck erst einmal ab, ist jeder weitere Sieg ein Bonus.

Sein großer Erfolg hat ihn, wie er gerne betont, nicht verändert. „Fragen Sie am besten meine Freunde, die werden Ihnen das gerne bestätigen.“ Und es scheint tatsächlich zu stimmen. In der Boulevardpresse findet man ihn so gut wie gar nicht; Skandale und andere Peinlichkeiten – Fehlanzeige. Es scheint so, dass er kein Gramm Energie an Dinge verschwendet, die ihm nicht wichtig sind. Und was seine soziale Kompetenz betrifft – da hilft er gerne anderen. Ganz konkret. Zum Beispiel mit seiner RF-Foundation Kindern in den ärmsten Ländern dieser Welt. „Für mich ist es wichtig, etwas von dem Glück zurückzugeben, das ich im Leben erfahren habe.“ So war er nach dem Seebeben im Indischen Ozean 2004 in den betroffenen Gebieten und kümmerte sich um die Tsunami-Opfer. Hin und wieder spielt er auch Benefizturniere und sammelt dabei harte Dollars für Bedürftige. 2006 wurde er als erster Schweizer zum internationalen UNICEF-Botschafter ernannt. 

Und sollte er irgendwann einmal mit dem Tennis-Profisport aufhören – kein Problem. Vor ein paar Monaten kaufte er sich einen alten Reisebus, Baujahr 1960. Mit dem will er dann „alle Städte und Länder noch einmal bereisen, in denen ich als Tennisspieler bereits war. Aber dann ganz entspannt und ohne Druck.“ Und wie sieht ein perfekter Tag im Leben von Roger Federer aus? „Zuerst trinke ich einen Kaffee und schaue nach den Kindern. Dann überlege ich, was heute so ansteht. Aber kein Tag ist wie der andere. Wenn Ferien sind, dann leben meine Frau, die Kids und ich in den Tag hinein. Da versuche ich immer viel mit der Familie und Freunden zu unternehmen und die gemeinsame Zeit zu genießen.“ 

Es heißt ja, Tennisspieler würden nie wieder etwas so gut können wie Tennis spielen. Wenn man Roger Federer mit seiner Familie sieht oder sein Engagement für Menschen in Not erlebt, muss man das glatt verneinen. Seine Lebensphilosophie in vier Sätzen? „Tennis? Großartig! Wenn ich gewinne – fantastisch. Wenn nicht, ist trotzdem alles in Ordnung.“

„Für mich ist es wichtig, etwas von dem Glück zurückzugeben, das ich im Leben erfahren habe!"

Die Kunst des Barbecues.

On fire.

Im Gridiron by COMO passiert alles live auf dem offenen Holzfeuergrill – erst inspirieren, dann genießen! Das Restaurant im COMO Metropolitan London Hotel widmet sich ganz der Kunst des Barbecues.

Geschmack mit Profil

Ein Whisky aus Überzeugung

„Um so einen Whisky zu brennen, benötigt man Leidenschaft, Erfahrung und eine genaue Vorstellung, was man will." Das sagte uns Markus Meindl als wir ihn auf seinen Whisky angesprochen haben.