Interview.


Fotografie und die Kraft der Veränderung

Durch die Linse des kanadischen Fotografen Paul Nicklen.

Als einer der angesehensten Naturfotografen der Welt konzentriert sich Paul Nicklen auf die Schönheit der marinen Tierwelt und der Polargebiete. Er wurde mit zahlreichen Fotopreisen ausgezeichnet, unter anderem als BBC Wildlife Photographer of the Year.

Wie gelingt es Ihnen, in Ihren wunderbaren Bildern Kunst, Ökologie und Schönheit zu vereinen?

PN: Ich versuche, eine emotionale Verbindung zwischen der Öffentlichkeit und der Welt herzustellen, die mir wichtig ist, und das sind Tierarten und Ökosysteme. Dafür sehe ich nur einen Weg: die von mir so genannte dreidimensionale Fotografie. Sie ist unglaublich nah dran. Sie ist total intim. Sie ist so stimmungsvoll, dass sie eine suggestive, instinktive Reaktion erzeugt. Und sie zwingt den Betrachter, nach dem Warum zu fragen. Wenn du Leute dazu bringen kannst, sich in deine Fotografie zu verlieben, dann fangen sie an, Fragen zu stellen. Dabei werden sie etwas über die Wissenschaft lernen.

Last Ice Expedition
Last Ice Expedition

Sie schaffen es, in einem einzigen Bild pure Emotion und ganze Geschichten zu erzählen. Gibt es ein Foto in „Born to Ice“, das Sie am meisten berührt?

PN: Es gibt nie nur das eine Bild. Für mich ist jeder Moment, jedes Bild etwas Besonderes. Jedes Mal, wenn es mir gelingt, einen Moment festzuhalten, der die Welt nicht nur mit diesem Tier, sondern mit dem gesamten Ökosystem verbindet, ist das mein stärkster Moment.

Sie sind auf Baffin Island aufgewachsen. Welchen Einfluss hatte die Inuit-Kultur auf Ihr Verhältnis zur Natur?

PN: Wir hatten kein Telefon, keinen Fernseher, kein Radio. Das Einzige, was wir zu lesen hatten, war eine Sammlung Jacques-Cousteau-Bücher. Zur Unterhaltung spielte ich im Freien oder ging jagen und angeln. Ich lernte, wie man hart wird, wie man überlebt, wie man friert, was wirkliche Kälte bedeutet, wie man das Wetter und die Bedingungen liest. Ich entwickelte die rechte Seite meines Gehirns, da die Inuit das visuelle Geschichtenerzählen sehr lieben. Ich habe die Inuktitut-Sprache ein wenig gelernt. Die Inuit-Kinder erzählten abends immer Geistergeschichten in Inuktitut und sprachen über Schnitzereien in Specksteinen und die Geschichten dahinter. Es ist eine schöne Kultur.

Leopard Seal
Leopard Seal

Was ist die Mission von SeaLegacy?

PN: Fotografie hat die Macht, Ansichten zu verändern. Aber noch wichtiger ist, dass sie die Macht hat, die Mauern der Apathie niederzureißen, die Menschen beim Herzen zu packen und ihnen etwas beizubringen. Damit fängst du an, ihre Meinung zu ändern. Ziel unserer Arbeit ist es, Bewegungen hervorzubringen. Wir verbinden Kunst mit Wissenschaft und dann mit dem Naturschutz.

SeaLegacy wurde 2014 gegründet. Welche Erfolge hatten Sie bisher?

PN: Wir haben gelernt, dass wir mit einem globalen Publikum in Kontakt treten können. Wir haben gelernt, dass wir lokale Probleme angehen können, die von kleinen, lokalen NGOs bekämpft werden. Wir haben die Macht, Stärke und Reichweite, regionale Probleme zu erkennen und vor das internationale Gericht der öffentlichen Meinung zu zerren. Wir können die Welt dazu bringen, diese Dinge zu sehen.

Mehr Informationen unter: www.sealegacy.org

Photography | Paul Nicklen
 © 2018 Paul Nicklen. All rights reserved
 © Cristina Mittermeier, © Göran Ehlmé

tail of humpback whale
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